“Für eine Minute animiertes Video arbeiten wir ungefähr sechs Wochen.” Chhunly Poy möchte trotzdem langfristig einen 90-minütigen Film in Kambodscha produzieren. “Das dauert dann mindestens drei Jahre. Wenn wir schnell sind” lacht er.
Chhunly Poy ist im Kunst- und Kulturzentrum Phare Ponleu Selpak (PPS) zum bildenden Künstler ausgebildet worden. Irgendwann wollte er mehr, wollte, dass sich seine Bilder bewegen können. Sein Traum hat sich erfüllt. Heute arbeitet er im kambodschanischen Siem Reap und in den Studios von PPS vor allem als Trickfilmregisseur. Einer seiner ersten mehrminütigen Trickfilme “A Little Boy Drinking Bad Water” wurde 2007 als bester kambodschanischer Beitrag des Cambofest, des kambodschanischen Film-Awards, ausgezeichnet. Den Kurzfilm hat Chhunly Poy im Auftrag von “1001 Fontaines” entwickelt, einer Hilfsorganisation, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt.
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In Chhunlys Team arbeiten acht Studenten zusammen. “Bisher hatten wir nur drei Computer, aber nachdem wir eine Spende erhalten haben, können wir bald noch drei oder vier dazukaufen.” Damit würde sich natürlich auch die Produktion wesentlich beschleunigen. “Für meine Generation ist in Kambodscha alles ein Neuanfang. Unser Land steht gerade erst wieder auf. Wir hatten ja Film und auch Trickfilm, bis zum Krieg. Wenn ich heute nach Videos aus Kambodscha schaue, dann sind die Sachen aus den 70ern. Vor der Zeit der Roten Khmer.” Für enthusiastische Regisseure wie Chhunly Poy ist es daher nicht leicht, Lehrer zu finden. Ältere Künstler und Intellektuelle, von den Roten Khmer verfolgt und ermordet, gibt es heute kaum noch. Spricht man Chhunly auf Theater- oder Kunsttradition Kambodschas an, schüttelt er den Kopf. “Kambodscha war am Ende. Wir fangen jetzt erst ganz langsam wieder an.”

Im nächsten Jahr plant Chhunly erstmals einen zehn- bis fünfzehnminütigen Film. “Wir möchten in Battambang etwas über Umweltbewusstsein machen, das ist für uns ein wichtiges Thema.” Schritt für Schritt nähert er sich seinem Traum von 90 Minuten Trickfilm an. “Zuerst haben wir ganz kurze Filme gedreht, dann 3 Minuten, momentan machen wir 6-Minüter. Eigentlich versuche ich bei jedem Projekt, die Minuten zu verdoppeln. Bisher klappt das gut.” Worum genau es in seinem abendfüllenden Film gehen soll, weiß er noch nicht. “Das will ich noch nicht festlegen. Ich will lieber weiter einen Schritt nach dem anderen machen, noch mehr lernen und ausprobieren. Wenn ich jetzt schon eine Story im Kopf hätte und in sechs Monaten habe ich ganz andere Fähigkeiten, dann könnte ich die Story ja vielleicht gar nicht mehr so umsetzen, wie zuerst gedacht.”
In seinen Trickfilmen setzt Chhunly Poy zwei Talente ein: Als Maler und Regisseur hat er hier die Möglichkeit, seine Bilder zum Leben zu erwecken. Auch bei der BerlinAsiaRoadShow kann er beides nutzen - wenn auch getrennt voneinander. Bei den artistischen und musikalischen Shows seiner Kollegen skizziert er in wenigen Minuten das Bühnengeschehen. Treffsicher fangen die schwarzen Tusche-Gemälde die Bewegungen ein.

Neben diesen “Live-Painting” Aktionen begleitet Chhunly die RoadShow aber auch mit der Videokamera. Ein Novum für ihn, der bisher eben mit animierten Grafiken gearbeitet hat und nicht mit lebenden Charakteren. Zusammen mit dem Regisseur Vojtech Pokorny, der in Kambodscha die Dokumentation “Schritt für Schritt” gedreht hat, und dem Cutter Florian Schewe, fertigt Chhunly bei jeder Roadshow-Station kurze Videoclips.

Im Videokanal des Blogs werden diese jeweils veröffentlicht und dann am letzten Tag der RoadShow, beim Familientag im RADIALSYSTEM V, am Stück gezeigt. Sein Traum von der Zukunft liegt aber beim Trickfilm: “Eines Tages möchte ich in Phare ein Studio haben, wie es Disney oder Dreamworks zur Verfügung steht”. Vielleicht kann er sich auch diesen Traum bei PPS erfüllen.